Ruhezeit: Wie viel freie Zeit zwischen zwei Arbeitstagen liegen muss

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Nach dem Ende eines Arbeitstags müssen nach § 5 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) mindestens 11 Stunden Ruhezeit am Stück folgen, bevor die Arbeit wieder beginnt. Wer um 22 Uhr Feierabend hat, darf also frühestens um 9 Uhr am nächsten Morgen wieder anfangen.

Wie viel Zeit zwischen zwei Schichten liegt, rechnet der Zeitrechner aus, auch über Mitternacht hinweg.

Die gesetzliche Ruhezeit nach § 5 ArbZG

Die Grundregel steht in einem Satz:

„Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.“

Gemessen wird vom Ende der Arbeit bis zum Beginn der nächsten Arbeit. Die Ruhezeit gilt an jedem Tag, auch vor einem freien Wochenende oder nach einem kurzen Arbeitstag. Sie gilt in Vollzeit, in Teilzeit, im Minijob und im Homeoffice. Arbeitest du für zwei Arbeitgeber, werden die Arbeitszeiten nach § 2 Abs. 1 ArbZG zusammengerechnet. Nach verbreiteter Ansicht zählt deshalb auch für die Ruhezeit das Ende der Arbeit beim einen und der Beginn beim anderen.

Das Wort „ununterbrochen“ heißt: Die 11 Stunden müssen am Stück frei sein. Zwei kürzere Ruhephasen von zum Beispiel 6 und 5 Stunden ergeben keine Ruhezeit im Sinne des Gesetzes.

Ende der Arbeit frühester Beginn der nächsten Arbeit
17:00 Uhr 4:00 Uhr am nächsten Tag
20:00 Uhr 7:00 Uhr am nächsten Tag
22:00 Uhr 9:00 Uhr am nächsten Tag
23:30 Uhr 10:30 Uhr am nächsten Tag
1:00 Uhr nach Mitternacht 12:00 Uhr am selben Tag

Beispiel: Wechsel von Spät- auf Frühschicht

Ein typischer Fall im Schichtbetrieb: Die Spätschicht dauert von 14:00 bis 22:00 Uhr, am nächsten Tag ist die Frühschicht von 6:00 bis 14:00 Uhr eingeplant.

Schicht Beginn Ende
Spätschicht, Montag 14:00 Uhr 22:00 Uhr
Frühschicht, Dienstag 6:00 Uhr 14:00 Uhr
Ruhezeit dazwischen 8 Stunden

Zwischen 22:00 und 6:00 Uhr liegen nur 8 Stunden. Es fehlen 3 Stunden, die Frühschicht dürfte frühestens um 9:00 Uhr beginnen. Ohne eine Ausnahme aus dem nächsten Abschnitt ist dieser Wechsel nicht erlaubt. Umgekehrt ist es unproblematisch: Nach einer Frühschicht bis 14:00 Uhr kann am nächsten Tag ohne Weiteres die Spätschicht ab 14:00 Uhr folgen, dazwischen liegen 24 Stunden.

Ausnahmen: Wann die Ruhezeit kürzer sein darf

Das Gesetz lässt in einigen Fällen eine kürzere Ruhezeit zu, aber fast immer nur mit Ausgleich.

Fall Ruhezeit mindestens Grundlage
Grundregel 11 Stunden § 5 Abs. 1 ArbZG
Krankenhaus und Pflege, Gastronomie und Hotel, Verkehrsbetriebe, Rundfunk, Landwirtschaft und Tierhaltung 10 Stunden, Ausgleich durch eine andere Ruhezeit von mindestens 12 Stunden § 5 Abs. 2 ArbZG
Tarifvertrag, wenn die Art der Arbeit es erfordert 9 Stunden, mit Ausgleich § 7 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG
Jugendliche unter 18 12 Stunden § 13 JArbSchG

Für die Branchen in § 5 Abs. 2 gilt eine Bedingung: Jede Verkürzung muss „innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens zwölf Stunden ausgeglichen“ werden. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen dürfen nach § 5 Abs. 3 außerdem Einsätze während der Rufbereitschaft, die nicht mehr als die Hälfte der Ruhezeit ausmachen, zu anderen Zeiten ausgeglichen werden.

Lässt ein Tarifvertrag Arbeitstage von mehr als 12 Stunden zu, muss nach § 7 Abs. 9 ArbZG direkt danach eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden folgen. In Notfällen erlaubt § 14 ArbZG vorübergehend Abweichungen. Für Fahrerinnen und Fahrer im Straßentransport gelten nach § 21a Abs. 5 ArbZG die Ruhezeiten des EU-Rechts.

Was zur Ruhezeit zählt und was nicht

  • Der Arbeitsweg: Der normale Weg von der Wohnung zur festen Arbeitsstelle und zurück ist nach verbreiteter Ansicht keine Arbeitszeit. Er fällt deshalb in die Ruhezeit, denn nach der EU-Arbeitszeitrichtlinie gilt jede Zeit, die keine Arbeitszeit ist, als Ruhezeit. Fahrten im Auftrag des Arbeitgebers, etwa zwischen zwei Einsätzen beim Kunden, können dagegen Arbeitszeit sein. Für Beschäftigte ohne festen Arbeitsort hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass schon die Fahrt von der Wohnung zum ersten und vom letzten Kunden nach Hause Arbeitszeit ist (Urteil vom 10. September 2015, C-266/14).
  • E-Mails und Anrufe nach Feierabend: Wer abends dienstliche E-Mails beantwortet oder ein dienstliches Telefonat führt, arbeitet in dieser Zeit. Nach verbreiteter Ansicht beginnt die Ruhezeit danach von vorn. Wie ganz kurze Unterbrechungen zu bewerten sind, ist unter Juristen umstritten.
  • Rufbereitschaft: Wer zu Hause erreichbar sein muss, hat in der Regel Ruhezeit, solange kein Einsatz kommt. Der Einsatz selbst ist Arbeitszeit. Nach dem Europäischen Gerichtshof zählt die ganze Rufbereitschaft aber als Arbeitszeit, wenn die Vorgaben die Möglichkeit, die freie Zeit zu gestalten, „objektiv gesehen ganz erheblich beeinträchtigen“, etwa durch eine sehr kurze Frist bis zum Einsatz (Urteile vom 21. Februar 2018, C-518/15, und vom 9. März 2021, C-344/19 und C-580/19). Das hängt vom Einzelfall ab.
  • Bereitschaftsdienst: Musst du an einem Arbeitsplatz außerhalb deiner Wohnung bleiben und dich dort für den Arbeitgeber bereithalten, zählt diese Zeit nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs automatisch als Arbeitszeit und nicht als Ruhezeit. So fasst er seine Rechtsprechung im Urteil vom 9. März 2021 (C-344/19) zusammen. Das gilt auch, wenn du in dieser Zeit nicht arbeitest.
  • Homeoffice: Die Ruhezeit gilt zu Hause genauso wie im Betrieb. Wer abends am heimischen Schreibtisch noch eine Stunde arbeitet, verschiebt damit den frühesten Beginn am nächsten Morgen.

Für Schwangere und Stillende schreibt § 4 Abs. 2 MuSchG die Ruhezeit eigens vor: „Der Arbeitgeber muss der schwangeren oder stillenden Frau nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden gewähren.“

Die Ruhe am Wochenende: Sonntag und Ersatzruhetag

Neben der täglichen Ruhezeit gibt es die Sonntagsruhe. Nach § 9 ArbZG darf an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr grundsätzlich nicht gearbeitet werden. Wer in einer erlaubten Ausnahme sonntags arbeitet, bekommt nach § 11 Abs. 3 einen Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen.

§ 11 Abs. 4 verbindet beides: Der freie Sonntag oder der Ersatzruhetag ist „unmittelbar in Verbindung mit einer Ruhezeit nach § 5 zu gewähren, soweit dem technische oder arbeitsorganisatorische Gründe nicht entgegenstehen“. Zusammen sind das in der Regel 24 plus 11 Stunden, also 35 Stunden am Stück. Wie viele Tage am Stück insgesamt möglich sind, erklärt der Ratgeber zur maximalen Arbeitszeit.

Wenn die 11 Stunden Ruhezeit nicht eingehalten werden

Die Pflicht liegt beim Arbeitgeber. Er muss Dienstpläne so gestalten, dass die Ruhezeit möglich ist. Wer als Arbeitgeber „die Mindestruhezeit nicht gewährt“, handelt nach § 22 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG ordnungswidrig. Das gilt auch, wenn die Verkürzung nach § 5 Abs. 2 nicht oder nicht rechtzeitig ausgeglichen wird. Die Einhaltung überwachen nach § 17 Abs. 1 ArbZG die nach Landesrecht zuständigen Aufsichtsbehörden. Verstöße können nach § 22 ArbZG mit einem Bußgeld geahndet werden.

Bei Fragen zu einem konkreten Dienstplan helfen der Betriebsrat, die Gewerkschaft oder eine Anwältin oder ein Anwalt für Arbeitsrecht. Eine eigene Aufzeichnung, wann jede Schicht wirklich begonnen und geendet hat, macht sichtbar, wie oft die Ruhezeit zu kurz war. Dafür reicht ein einfacher Stundenzettel mit Beginn, Ende und Pause jedes Tages. Wie lange die Pausen innerhalb eines Arbeitstags sein müssen, steht im Ratgeber zur Pausenregelung.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden müssen zwischen zwei Schichten liegen?

Mindestens 11 Stunden ohne Unterbrechung (§ 5 Abs. 1 ArbZG). Endet eine Schicht um 22 Uhr, darf die nächste frühestens um 9 Uhr beginnen. Kürzer darf die Ruhezeit nur in bestimmten Branchen, mit einem Tarifvertrag, mit einer Bewilligung der Aufsichtsbehörde oder in Notfällen sein.

Wie viel Ruhezeit gilt zwischen Spätschicht und Frühschicht?

Auch hier mindestens 11 Stunden. Auf eine Spätschicht bis 22 Uhr kann deshalb keine Frühschicht ab 6 Uhr folgen, denn dazwischen lägen nur 8 Stunden.

Zählt der Arbeitsweg zur Ruhezeit?

Der normale Weg von der Wohnung zur festen Arbeitsstelle und zurück ist nach verbreiteter Ansicht keine Arbeitszeit. Er fällt deshalb in die Ruhezeit. Anders können Fahrten im Auftrag des Arbeitgebers zu behandeln sein, etwa von einem Kunden zum nächsten. Wer keinen festen Arbeitsort hat, arbeitet nach dem Europäischen Gerichtshof schon auf der Fahrt zum ersten Kunden (C-266/14).

Wie lange ist die Ruhezeit nach der Arbeit?

Für Erwachsene mindestens 11 Stunden. Für Jugendliche unter 18 sind es nach § 13 JArbSchG mindestens 12 Stunden.