Gleitzeit: Wie flexible Arbeitszeit funktioniert und welche Regeln gelten

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Gleitzeit heißt, dass du Beginn und Ende deiner Arbeit innerhalb eines festen Rahmens selbst bestimmst, solange du deine vereinbarten Stunden erreichst. Meist gibt es eine Kernzeit, zum Beispiel von 9 bis 15 Uhr, in der alle da sein müssen.

Ein eigenes Gesetz für Gleitzeit gibt es nicht. Die Regeln stehen in einer Betriebsvereinbarung, im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag. Die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes gelten trotzdem. Wie lange du an einem Tag gearbeitet hast, rechnet der Arbeitszeitrechner mit den Pausen aus.

Die Begriffe der Gleitzeit

Begriff Bedeutung Beispiel
Rahmenarbeitszeit frühester Beginn und spätestes Ende der Arbeit 6:00 bis 20:00 Uhr
Kernzeit Zeit, in der du anwesend sein musst 9:00 bis 15:00 Uhr
Gleitspanne der freie Teil vor und nach der Kernzeit 6:00 bis 9:00 und 15:00 bis 20:00 Uhr
Funktionszeit Zeit, in der ein Team erreichbar sein muss, statt einer Kernzeit 8:00 bis 17:00 Uhr
Sollarbeitszeit deine vereinbarte Arbeitszeit pro Tag oder Woche 39 Stunden pro Woche, also 7:48 Stunden pro Tag
Gleitzeitkonto Differenz zwischen gearbeiteter Zeit und Soll plus 4:30 Stunden
Gleittag ganzer freier Tag, ausgeglichen mit Plusstunden ein freier Freitag

Die 7:48 Stunden pro Tag ergeben sich aus 39 Stunden geteilt durch 5 Tage, also 7,8 Stunden. Wie du Stunden und Minuten in Dezimalzahlen umrechnest, zeigt der Rechner Minuten in Dezimal.

Einfache und qualifizierte Gleitzeit

Bei einfacher Gleitzeit verschiebst du nur Beginn und Ende. Die Länge des Arbeitstags bleibt gleich. Wer um 7 Uhr anfängt, geht entsprechend früher.

Bei qualifizierter Gleitzeit darf auch die Länge des Tages schwanken. An einem Tag arbeitest du länger, an einem anderen kürzer. Die Differenz zum Soll sammelt sich auf dem Gleitzeitkonto. Dieses Modell ist in Büros am häufigsten.

Davon zu unterscheiden ist die Vertrauensarbeitszeit. Dort verzichtet der Arbeitgeber meist darauf, einen Rahmen vorzugeben und Beginn und Ende zu kontrollieren. Die Pflicht des Arbeitgebers zur Arbeitszeiterfassung gilt bei Gleitzeit wie bei jeder anderen Arbeitszeit. Nach verbreiteter Ansicht gilt sie auch bei Vertrauensarbeitszeit.

Wer die Regeln festlegt

Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei der Gleitzeit ein Mitbestimmungsrecht. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG bestimmt er mit über „Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage“. Deshalb ist Gleitzeit meist in einer Betriebsvereinbarung geregelt. In Betrieben ohne Betriebsrat stehen die Regeln oft im Arbeitsvertrag oder in einer Richtlinie des Arbeitgebers. Arbeitest du teilweise von zu Hause, bestimmt der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 14 BetrVG auch bei der „Ausgestaltung von mobiler Arbeit“ mit. Die Gleitzeitregeln und das Arbeitszeitgesetz gelten im Homeoffice genauso wie im Büro.

Eine typische Gleitzeitvereinbarung legt fest:

  • den Rahmen und die Kernzeit;
  • wie viele Plus- und Minusstunden auf dem Konto stehen dürfen;
  • in welchem Zeitraum das Konto auszugleichen ist;
  • ob und wie oft Gleittage erlaubt sind und ob sie angemeldet werden müssen;
  • was mit Stunden über der Obergrenze geschieht.

Das Arbeitszeitgesetz gilt auch bei Gleitzeit

Gleitzeit erlaubt dir nicht, beliebig lange zu arbeiten. Ein Rahmen von 6 bis 20 Uhr umfasst 14 Stunden, das Gesetz erlaubt davon nur einen Teil:

Regel Grenze Grundlage
Arbeitszeit pro Werktag 8 Stunden, bis zu 10 mit Ausgleich in 6 Monaten oder 24 Wochen § 3 ArbZG
Pause 30 Minuten bei mehr als 6 Stunden, 45 Minuten bei mehr als 9 Stunden § 4 ArbZG
Ruhezeit 11 Stunden zwischen Ende und nächstem Beginn § 5 ArbZG
Aufzeichnung jede Arbeitszeit über 8 Stunden pro Werktag § 16 Abs. 2 ArbZG

Wer an einem Tag bis 20 Uhr arbeitet, darf am nächsten Tag also frühestens um 7 Uhr beginnen, auch wenn der Gleitzeitrahmen schon um 6 Uhr öffnet. Tarifverträge können nach § 7 ArbZG abweichen.

Beispiel: eine Woche mit qualifizierter Gleitzeit

Mia hat eine 39-Stunden-Woche, ihr Soll liegt bei 7:48 Stunden pro Tag. Die Kernzeit ist von 9 bis 15 Uhr.

Tag Beginn Ende Pause gearbeitet Saldo des Tages
Montag 7:30 16:30 0:45 8:15 plus 0:27
Dienstag 8:00 17:30 0:45 8:45 plus 0:57
Mittwoch 9:00 15:30 0:30 6:00 minus 1:48
Donnerstag 7:00 17:15 0:45 9:30 plus 1:42
Freitag 8:00 15:30 0:30 7:00 minus 0:48
Woche 39:30 plus 0:30

Mia hat in dieser Woche 30 Minuten mehr gearbeitet als ihr Soll, als Dezimalzahl 0,5 Stunden. Am Donnerstag liegt sie mit 9:30 Stunden über 9 Stunden und braucht deshalb 45 Minuten Pause. Am Mittwoch war sie genau in der Kernzeit da und ist eine halbe Stunde länger geblieben. Sammeln sich über einige Wochen 7:48 Stunden an, reicht das für einen Gleittag, wenn die Vereinbarung ihn erlaubt.

Der Gleittag

Ein Gleittag ist ein ganzer freier Tag, den du mit Plusstunden bezahlst. Er kostet keinen Urlaubstag. Ob du Gleittage nehmen darfst, wie viele im Monat und mit welcher Vorlaufzeit, steht in der Gleitzeitvereinbarung. Häufig muss der Tag mit der Vorgesetzten oder dem Vorgesetzten abgesprochen werden, weil an diesem Tag auch die Kernzeit entfällt.

Gleitzeitkonto: Plus, Minus und Obergrenzen

Das Gleitzeitkonto ist eine Form des Arbeitszeitkontos. Viele Betriebe begrenzen es, zum Beispiel auf 40 Plusstunden und 20 Minusstunden. Manche arbeiten mit einem Ampelkonto: Im grünen Bereich steuerst du selbst, im gelben sprichst du mit der Führungskraft, im roten muss der Saldo abgebaut werden. Wann ein Minus nachzuarbeiten ist, erklärt der Ratgeber zu Minusstunden.

Heikel sind Regeln, nach denen Stunden über der Obergrenze verfallen, die sogenannte Kappung. Ob eine solche Regel wirksam ist, hängt von der Vereinbarung und vom Einzelfall ab und ist häufig Gegenstand von Streit. Hat der Arbeitgeber die Stunden angeordnet oder gebilligt, sind sie nach verbreiteter Ansicht Überstunden und keine bloßen Gleitzeitstunden. Wie Überstunden ausgeglichen werden, steht im Ratgeber zu Überstunden. Was beim Ende des Arbeitsverhältnisses mit einem Guthaben geschieht und welche Arten von Konten es gibt, erklärt der Ratgeber zum Arbeitszeitkonto.

Damit du deinen Saldo selbst kennst, hilft eine eigene Aufzeichnung mit Beginn, Ende und Pause jedes Tages. Sie ersetzt nicht die Zeiterfassung des Arbeitgebers, zeigt dir aber jederzeit, wo dein Konto steht.

Häufige Fragen

Was ist Gleitzeit?

Ein Arbeitszeitmodell, bei dem du Beginn und Ende deiner Arbeit innerhalb eines festgelegten Rahmens selbst wählst. Oft gibt es eine Kernzeit, in der alle anwesend sein müssen. Mehr- oder Minderstunden gegenüber deinem Soll laufen auf ein Gleitzeitkonto.

Was ist ein Gleittag?

Ein ganzer freier Tag, den du mit Plusstunden aus dem Gleitzeitkonto ausgleichst. Ob und wie oft Gleittage erlaubt sind, regelt die Gleitzeitvereinbarung im Betrieb. Urlaub wird dafür nicht verbraucht.

Was ist der Unterschied zwischen Gleitzeit und Kernarbeitszeit?

Die Kernarbeitszeit, kurz Kernzeit, ist ein Teil der Gleitzeit: die Stunden, in denen alle anwesend sein müssen, zum Beispiel von 9 bis 15 Uhr. Davor und danach liegt die Gleitspanne, in der du Beginn und Ende selbst wählst. Manche Betriebe haben statt einer Kernzeit eine Funktionszeit, in der nur das Team erreichbar sein muss.

Was ist der Unterschied zwischen Überstunden und Gleitzeit?

Bei Gleitzeit teilst du deine Stunden selbst ein. Plusstunden entstehen, weil du an einem Tag länger bleibst, und du baust sie später selbst wieder ab. Überstunden gehen über deine vertragliche Arbeitszeit hinaus und werden vom Arbeitgeber angeordnet, geduldet oder gebilligt. Hat der Arbeitgeber Gleitzeitstunden angeordnet oder gebilligt, sind sie nach verbreiteter Ansicht Überstunden.

Welche Nachteile hat Gleitzeit?

Du musst deinen Saldo selbst im Blick behalten. Manche Vereinbarungen lassen Stunden über einer Obergrenze verfallen, ob das wirksam ist, hängt von der Regel ab. Minusstunden, über die du allein entschieden hast, sind nach dem Bundesarbeitsgericht ein Vorschuss auf den Lohn. Endet das Arbeitsverhältnis, kann der Arbeitgeber ein solches Minus deshalb unter Umständen mit dem letzten Lohn verrechnen (5 AZR 819/09). Die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes gelten auch dann, wenn der Gleitzeitrahmen länger ist.